Diagnosestellung ohne Diagnostik
Diagnosestellung ohne Diagnostik â Behandlungsverzögerung um ÃŒber ein Jahrzehnt
Ich lernte Frau Knabe wÀhrend eines stationÀren Krankenhausaufenthalts kennen. In drei Sitzungen (AufnahmegesprÀch, eine regulÀre Sitzung, EntlassungsgesprÀch) stellte sie die Diagnose einer "gesicherten Borderline-Persönlichkeitsstörung" und schloss ADHS sowie Autismus im Erwachsenenalter aus.
SKID-II-Diagnostik ohne Dokumentation:
Im Entlassungsbericht verwies Frau Knabe auf Ergebnisse des SKID-II (strukturiertes klinisches Interview fÌr Persönlichkeitsstörungen). SKID-II ist ein mehrstufiges Interviewverfahren mit umfangreichen Fragebögen.
Nach Anforderung meiner vollstÀndigen Patientenakte stellte ich fest: Es befindet sich kein ausgefÌllter Fragebogen, keine Interviewnotizen und kein Hinweis auf eine durchgefÌhrte SKID-II-Diagnostik in den Unterlagen. Das Verfahren wurde nicht durchgefÌhrt.
Faktische Fehler in den Notizen:
Die internen Notizen von Frau Knabe, die mit den Krankenhausakten ÃŒbermittelt wurden, enthalten gravierende faktische Fehler:
⢠Meine Diagnose wird anhand einer angeblichen Diagnose meiner Mutter "geschlussgefolgert". Meine Mutter war jedoch nie in psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung. Die ihr zugeschriebene Diagnose ist nicht dokumentiert.
⢠Frau Knabe behauptet, mir sei mit 16 Jahren eine Borderline-Störung diagnostiziert worden. Ich bin im Ausland geboren und kam erst im Erwachsenenalter nach Deutschland. Im diagnostischen System meines Herkunftslandes existierte zu diesem Zeitpunkt keine Borderline-Persönlichkeitsstörung als Diagnosekategorie. Das ICD wurde dort erst Jahre spÀter eingefÌhrt.
Die vollstÀndige AufzÀhlung der dokumentierten Fehler wÌrde den Rahmen dieser Bewertung Ìberschreiten.
Folgen der fehlerhaften Diagnostik:
Die falsche Diagnose und die mangelhafte Diagnostik fÌhrten dazu, dass die korrekte Diagnose (Asperger-Syndrom mit komorbider ADHS) sich um Ìber ein Jahrzehnt verzögerte.
Nach korrekter Diagnosestellung erfolgte eine erfolgreiche Einstellung auf ADHS-Medikation, die zu erheblicher Verbesserung meiner Symptomatik fÃŒhrte.
Fazit:
Die fehlerhafte Diagnostik durch Frau Knabe hatte gravierende Auswirkungen: Ãber ein Jahrzehnt Verzögerung der richtigen Diagnose, keine angemessene Hilfestellung und Verweigerung einer wirksamen, störungsbildgerechten Medikation.
FÌr Personen, die eine sorgfÀltige und methodisch fundierte Diagnostik benötigen, kann ich die Praxis aufgrund meiner dokumentierten Erfahrung nicht empfehlen.





